

Amselbetrachtungen
Zwei mal Sieben
Heft
12X16 cm
14 Kurzgedichte mit Cyanotypien
12,- €
Herzlich möchten wir dich/Sie zur Preisverleihung
des Horst-Konejung-Preises der Konejung Stiftung Kultur einladen. Der diesjährige Preisträger ist der Maler und Lyriker Franz Peters. Die Veranstaltung findet statt am:
16. November 2025 im Rahmen der Eifeler Buchmesse und beginnt
mit der Lesung von Norbert Scheuer um 14:30 Uhr. Anschließend findet um 15:00 Uhr
– mit Norbert Scheuer als Laudator –
die Preisverleihung statt und der mit 5000 Euro datierte Preis
wird vom Beiratsvorsitzenden Dr. David Eisermann überreicht. Wir freuen uns auf ein Wiedersehen in Nettersheim! Mit lieben Grüßen, Konejung Stiftung Kultur. Achim Konejung
16.Nov.2025
Norbert Scheuer
Laudatio auf Franz Peters zur Verleihung des Konejung – Preises.
Sehr geehrte Damen und Herren,
Der Konejung Preis hat es sich zur Aufgabe gemacht, Künstlerinnen und Künstler, Historikerinnen und Historiker sowie Filmemacherinnen und Filmemacher auszuzeichnen. Sein besonderes Augenmerk gilt
der Förderung der Geschichtsforschung und der künstlerischen Auseinandersetzung mit kulturellen Gegensätzen und Gemeinsamkeiten im Laufe der Jahrhunderte.
Ich vermute, dass es nur wenige Preise in NRW gibt, die – bezogen auf einen vergleichsweise engen geografischen Raum – eine derartige überregionale Bedeutung haben.
Der Konejung Preis wurde ins Leben gerufen von dem industriellen Horst Konejung einem offensichtlichen Liebhaber der Kunst und der Wissenschaft, der Preis ist einerseits fest in unserer Region
verwurzelt, hat zugleich einen universellen Anspruch.
Dies zeigen auch die Preisträgerinnen und Preisträger, nur um einige zu nennen: Fritz Albert Heinen, Katharina und Dietrich Schubert sowie Maf Räderscheidt – Künstler, Schriftsteller und
Filmemacher, die in ihrer Arbeit aus der Region schöpfen und sie zugleich auch transzendieren.
Heute möchte ich über einen solchen Künstler sprechen, über jemanden, der bislang noch nicht in diesem illustren Kreis vertreten war, nun aber endlich aufgenommen wurde.
Jemand, der die Stille nicht fürchtet, und der die Farbe nicht benutzt, um etwas zu betonen,
sondern um etwas frei zu lassen.
1. Meine erste Begegnung mit Franz
Er trug einen breiten Hut. Für einen kurzen Moment erinnerte er mich an Henry Fabre, jenen Insektenforscher, der so wunderbare anschaulich Bücher über das Leben der Insekten geschrieben hat und
er erinnerte mich an jene Zeichnungen alter chinesischer Gelehrter, die im Schatten sitzen, mit einem Pinsel in der Hand und einem Gesprächspartner, der meist ein Vogel ist. So unaufdringlich, so
wach wirkte er.
Ich selbst war längst müde geworden von der Kunstwelt, die sich selbst so gerne zeigt. Umso mehr traf mich die unscheinbare Kraft seiner Gegenwart: nichts auf Wirkung hin, nichts auf Prestige.
Seine Kunst wirkte wie etwas, das von selbst wächst.
Geboren 1956, aufgewachsen auf einem Bauernhof bei Bergheim, zwischen Himmel, Wind und schweren Böden. Später Kommunikationswissenschaften – ein seltsamer Umweg, der ihn dennoch zur Kunst führte,
dort, wo das Sprechen endet.
Seit 1986 malt er ausschließlich.
Autodidakt, ja – aber eher im Sinne jener chinesischen Literaten, die ihr Leben nicht „der Kunst“ widmeten, sondern der Welt, und von dort aus malten. Nicht von Regeln aus. Aber ist nicht jeder
richtige Künstler Autodidakt, denn für das Schaffen von Kunst gibt es schlechterdings keine Regeln, die man lernen könnte.
2. Zwischen Figur und Zeichen – Mi Fu, Shen Zhou, Zhu Da
Franz sagt gern: „Mich interessiert der Moment, in dem eine Figur zum Schriftzeichen wird.“
Wer Mi Fu kennt, den exzentrischen Literaten des 11. Jahrhunderts, weiß, was damit gemeint ist.
Mi Fu malte Bäume wie Schriftzeichen, Felsen wie Silben. Sein Strich war Denken, sein Denken ein Strich.
Ähnlich arbeitet Franz – nicht in Anlehnung, sondern im Geist dieser Haltung.
Bei ihm sind Linien halbe Worte, Worte halbe Linien.
Die Fläche ist nie Dekoration; sie ist wie ein leiser Satzanfang.
Shen Zhou, einer der großen Literaten des 15. Jahrhunderts, schrieb einmal, er male die Berge nicht, weil er Berge sehe, sondern „weil die Berge in ihm weiterwanderten“.
Wenn Franz mit Spachtel und Pigment arbeitet, wirkt es genauso: keine Abbildung, sondern Echo.
Und da ist Zhu Da, der später Bada Shanren genannt wurde: seine verstummten Fische, seine schweigenden Vögel, diese seltsam entrückten Wesen aus Tusche – Bilder, die fast nichts zeigen und doch
alles andeuten.
Auch bei Franz entsteht dieser Raum des kaum Sichtbaren, des Atems zwischen den Formen.
Es ist eine Verwandtschaft, die nicht gesucht wurde, aber da ist.
3. Olef und Schleiden als Mittelpunkt der Welt
Franz’ Atelier gleicht der Werkstatt eines stillen Alchemisten. Dosen, Schalen, Gläser. Pigmente aus Südafrika, Burma, vom Tagebau seiner Kindheit, der Staub eines fossilen Tieres, das einmal im
Meer schwamm. Sie bekommt er von seinen zahlreichen Freunden die immer noch durch die Welt reisen – Reisen, die auch Franz früher auch einmal mit seinem Wanderstab unternommen hat, der
Wanderstab, der ihn auch heute noch auf seinen Spaziergängen in der näheren Umgebung von Olef begleitet. Seit Jahrzehnten zu Hause auf dem Dorfplatz neben der alten Dorfschule und betrachtet von
da aus die Welt, wohl wissend, dass in einem unendlichen Universum jeder Punkt der Mittelpunkt der Welt ist.
So wird die Eifel für ihn zu einem Erfahrungsraum in dem sich Vergangenheit und Gegenwart spiegelt.
Franz Peters ist kein Maler, der „über“ die Eifel spricht – er malt aus ihr heraus.
Seine Pigmente, Materialien und Themen stammen meist unmittelbar aus der Landschaft selbst:
Er verwendet Erden, Aschen, Staub aus der Region: Braunkohletagebau, Eifeler Lehmböden, verbrannte Erde, fossile Fragmente.
Diese Stoffe sind nicht bloß Material, sondern Träger von Geschichte – sie erzählen vom Werden und Vergehen, von geologischer Zeit, von der Veränderung durch Menschenhand.
Damit wird die Eifel bei ihm nicht Kulisse, sondern Substanz.
Er malt buchstäblich mit der Landschaft, nicht nur über sie.
Seine Kunst ist also eine Form von Topographie in Farbe, eine poetische Geologie.
4. Der historische Blick: Spur, Verlust und Erinnerung und das universelle im Lokalen
Die Eifel, besonders der Raum zwischen Gemünd, Olef und dem rheinischen Revier, ist eine Gegend, die Erinnerung trägt: Kriegsspuren, Umsiedlungen, Braunkohleabbau, Zerstörung, Wiederaufbau,
Strukturwandel.
Peters’ Bilder reagieren darauf, aber nicht dokumentarisch, sondern metaphorisch:
Die Asche und Erde werden zu Zeichen des Vergänglichen.
Seine Reduktion auf einfache Formen und monochrome Flächen verweist auf das, was verschwunden ist, aber in den Dingen nachhallt.
Das Schweigen seiner Bilder ist kein Rückzug, sondern ein Widerstand gegen das Vergessen – gegen die schnelle Übermalung der Geschichte durch neue Schichten des Alltags.
So entstehen bei Franz Werke, die wie Erinnerungsräume funktionieren – leise, aber von tiefer kultureller Resonanz.
Obwohl Franz Peters aus der Eifel heraus arbeitet, steht seine Kunst in einem universellen und globalen Dialog: Er benutzt Pigmente aus aller Welt: rote Erde aus Südafrika, goldhaltige Erde aus
Burma, Asche aus Bergheim – und bringt sie in ein Verhältnis.
Damit schafft er eine geographische und kulturelle Alchemie: Weltstoffe treffen auf Eifeler Erde, und in dieser Begegnung entsteht eine symbolische Einheit.
Seine Haltung erinnert mich wieder an die chinesischen Literatenmaler, die zwischen Naturbeobachtung, Poesie und Philosophie eine universelle Sprache entwickelten.
Das Lokale wird bei ihm Weltmetapher: Die Eifel als Mikrokosmos des Planeten, als Ort, an dem das Globale sedimentiert.
5. Zwischen Wort, Bild und Denken
Franz Peters bewegt sich bewusst zwischen den Künsten und Wissenschaften – Malerei, Lyrik, Philosophie und Quantenphysik. Es gibt nahezu kein Gebiet bei dem man bei ihm auf Unverständnis oder
Desinteresse stößt. Diese Universalität ist ein zutiefst europäischer Ansatz, der sich in der Kulturgeschichte der Region wiederfindet:
Die rheinische Mystik (Meister Eckhart, Hildegard von Bingen) spricht vom inneren Licht der Dinge und ganz in der Nähe von hier Johannes Sleidanus, ein Gelehrter, der heute als Pionier der
modernen histografischen Methode gilt. Die Kloster der Eifel waren Orte des kontemplativen Denkens und Schreibens.
Peters’ Kunst führt diese Linie fort: eine Kunst der Versenkung, die das Schweigen als Form der Erkenntnis begreift.
6. Historische Tiefe und kosmische Weite
Franz Peters’ Kunst hat einen doppelten Bezug, ohne doppelbödig zu sein:
Kulturell-historisch, weil sie aus der Landschaft, Geschichte und Erfahrung der Eifel schöpft und diese transformiert.
Weltweit, weil sie zeigt, dass Erde, Licht und Stille universelle Sprachen sind. Seine Bilder sind wie Archäologien der Wahrnehmung: Sie graben unter die Oberfläche der Gegenwart und fördern dort
das zutage, was wir im Lärm der Zeit vergessen haben.
In diesem Sinne ist seine Arbeit nicht regional begrenzt, sondern kulturell durchlässig – sie verbindet die Eifel mit der Denk- und Empfindungsgeschichte Europas und er ist auch deswegen ein
würdiger Preisträger des Konejung - Preises.
Die Literatenmaler pflegten ihre Tusche selbst zu reiben – Wen Tong brauchte manchmal eine halbe Stunde, bevor er die erste Bambuslinie setzte.
Franz arbeitet mit derselben Geduld.
Er rührt seine Farben im Mörser an, wartet, bis sie zu sich gekommen sind.
Er sagt: „Das ist das Gedicht, bevor es Farbe wird.“
Ein Satz, den Su Shi, der große Dichter-Maler des 11. Jahrhunderts, verstanden hätte.
Bei beiden entsteht Kunst nicht aus Technik, sondern aus Haltung: aus einem ruhigen, wachen Blick auf die Welt.
Franzens Bilder verlangen, dass man langsamer wird. Sie geben sich nicht sofort preis.
Aber dann, leise, beginnt etwas: ein Atem hinter der Fläche, eine Spannung, die nicht laut wird.
Die Literatenmaler sagten:
„Male die Stille. Sie ist schwerer als der Berg.“
Bei Franz spürt man genau das.
Er malt nicht die Dinge, sondern die Zeit, die um die Dinge herum liegt.
7. Wort und Bild
Sein Gedichtband Neben den Wegen kein Gehen wirkt wie ein zweites Atelier:
Worte, die wie Linien stehen,
Linien, die wie Worte klingen.
Wie die alten Literaten, die am Rand ihrer Bilder Gedichte notierten, führt Franz jedoch nicht seine beiden Ausdrucksformen zusammen – sie sind ohnehin miteinander verbunden.
Ein Satz ist eine Fläche.
Eine Fläche ein Gedanke.
8. Würdigung
In einer schnellen Welt ist die Kunst von Franz Peters eine langsame, aber entschiedene Geste.
Sie verweigert sich dem Lärm, dem Effekt, dem schnellen Verständnis.
Sie lädt ein.
Und lässt offen.
Lieber Franz,
dass ein Strich Welt enthalten kann,
dass Stille eine Form von Wissen ist,
dass Kunst nicht zeigt, sondern weitergibt.
Der Konejung-Preis würdigt heute nicht nur dein Werk,
sondern auch die Ruhe, mit der du arbeitest,
und den Gedanken, der in deinen Farben aufscheint.
Ich gratuliere dir von Herzen.
Zehn Ochsen
ISBN 978-3-9823246-1-6
14 Seiten
12x17 cm
12,- €





Aufgestellt : Familienbilder : Repräsentationen
Siebdrucke nach alten Fotos - 20er bis 50er Jahre.
Die Fotovorlagen sind klein und zum Teil sehr "vernutzt",
weshalb ich sie oft bearbeitet oder nachgezeichnet habe.
"Übermythen"
Gedichte und Bilder
als Künstlerbuch (Auflage 20 Exemplare)
in einer Jak-Mappe oder schwarzer Box (Karton)
darin je 20 Drucke und Gedichte,
sowie eine Originalzeichnung
und
als Taschenbuch
im Selbstverlag
ISBN 978-3-9823246-0-9
15,-- €
Bestellungen oder Nachfragen siehe Kontakt
I. Kairos
Wer je
hätte ihn ergriffen
den immer Eilenden.
Sein Ruf ist das Nachsehen
die ungenutzte Möglichkeit
das erstaunte Bedauern.
Und wer den Schopf packt
erfährt, dass der Knabe selbst
das bessere Schicksal verfolgt.
II. Chiron
Während
seine Brüder
über die Steppe preschten
durch die Wälder stoben
sich im Buschland balgten
übte er
sich in der Kunst
der hohen Dressur,
den verhaltenen Schritt,
den Trab, Galopp, im Wechsel,
die halbe Bahn, die Traversale, Piaffe
Pirouette und den spanischen Tritt.
Lernte den Bogen zu gehen, kehrt aus der Ecke,
passieren, den Zirkel, zur Seite im Schlängel
und schließlich, als höchstes, die Acht im Galopp.
Leda
Befriedigt ließ Zeus
den Schwan zurück.
Sie genoss ihn
zum zweiten
gebraten.
III. Kronos
Tu es,
denn er
als erster hat
die schimpflichen Werke
sich ausgedacht!
Ich tu’s,
hat er doch
als erster
die schimpflichen Werke
sich ausgedacht!
IV Odysseus
Er stand und roch ihren Schweiß
jagende Angst.
sah die Ruder hetzen.
Stand gefesselt
und lauschte.
Stille.
Und begriff
Stille.
Sie sangen die Stille
schwiegen die Welt.
Er
wurde ein Fremder.
Theseus
1.
was für eine Vergeudung
es gab nur diesen einen Weg
und er hatte Stunden vertan
mit dem Flicken des Fadens
der so schlampig gedreht war.
für diesen in seiner Maske
wehrlos vor Furcht
zitternd
ein Stich nur
ein Märchen und dafür der Aufwand.
Ariadne
2.
Erst als sich das schwarze Segel
weit am Horizont
in Nachtschwärze löste
schob sie sich
aus ihrem Versteck
ihre Hände noch immer
erhoben
die Finger zur Abwehr gespreizt
ekelstarrend
er hatte sie zu Fleisch gemessen.
Erigone
Wieder haben sie
Schaukeln in die Bäume gehängt
und Puppen
und feiern ausgelassen ihr Fest.
Tagelang war sie umhergeirrt
hatte gefragt gesucht
von Haus zu Haus
dann in den Gärten
dann in den Feldern
und mit ihr war Maira der Hund
und sie sah nicht den Ärger in den Blicken
sah nicht die Angst darin
dann fand man sie
über seinem Grab
aufgehängt wie die Amseln zur Kirschenzeit
und sie schaukelte still im Wind.
Wieder haben sie Schaukeln in die Bäume gehängt
und feiern unter den kreisenden Puppen ihr Fest.
